46 Unternehmen in einem Jahr: Wie aus Forschung Geschäft wird.
Die ETH Zürich hat 2025 46 neue Ventures anerkannt, und die aus ihr hervorgegangenen Unternehmen nahmen 540 Millionen Franken auf. Aufschlussreicher ist die Zahl 661: so viele Ventures hat die Hochschule seit 1973 insgesamt hervorgebracht; fast alle davon sind kleine Schweizer Firmen.
Die ETH Zürich teilte am 25. Februar 2026 mit, sie habe 2025 die Gründung von 46 neuen ETH Ventures anerkannt – der höchste Wert, den sie je erfasst hat. Vierundzwanzig davon wurden als ETH-Spin-offs eingestuft, deren Geschäft auf Forschungsergebnissen der Hochschule beruht, zweiundzwanzig als ETH-Start-ups: gegründet von ETH-Angehörigen auf der Grundlage von Wissen aus Studium oder Anstellung, aber nicht auf ETH-Forschung gestützt. 2024 hatte die Hochschule 37 Spin-offs anerkannt.
Die an der ETH Zürich entstandenen Unternehmen nahmen 2025 in 41 gemeldeten Finanzierungsrunden 540 Millionen Franken auf, 27 Prozent mehr als im Vorjahr. Zwölf dieser Runden lagen über 10 Millionen Franken; die grösste, 103 Millionen Franken, ging an die Auterion AG, die Software für Drohnen entwickelt. Auf Technologie und Software, darunter namentlich künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen, entfielen 26 Prozent der neuen Ventures, vor Biotechnologie und Pharma mit 15 Prozent.
Der Rekord ist der am wenigsten nützliche Teil dieser Mitteilung. Für ein operativ tätiges Unternehmen zählt das Räderwerk darunter: ein Transferprozess, der im Juli 2025 seine eigenen Regeln neu geschrieben hat und dessen kumuliertes Ergebnis eine Population kleiner Schweizer Zulieferer ist.
Die Zahl stieg auch deshalb, weil sich die Definitionen geändert haben
Die ETH Zürich sagt es in ihrer Mitteilung selbst: Die Zahlen für 2025 «cannot be directly compared to those from previous years» – sie sind mit den Vorjahren nicht direkt vergleichbar, weil das neue Regelwerk für die Gründung von ETH Ventures jene Unternehmen, die früher als Spin-offs anerkannt worden wären, in die neue Start-up-Kategorie verschoben hat.
Dieses Regelwerk – das Unternehmensgründungsreglement der ETH Zürich (Business Creation Regulations), in Kraft seit dem 10. Juli 2025 – hat die früheren Spin-off-Richtlinien durch ein dokumentiertes Verfahren ersetzt. Es gibt nun zwei Labels. «ETH Spin-off» steht für Unternehmen, die auf Forschungsergebnissen der ETH aufbauen; ihre Gründerinnen und Gründer müssen die Rechte am geistigen Eigentum und an dessen Verwertung mit ETH transfer regeln. «ETH Start-up» steht für Gründungen, die auf an der Hochschule erworbenem Wissen beruhen und nicht auf deren Forschung. An Spin-offs beteiligt sich die ETH mit einem Grundanteil von 2 Prozent; er kann steigen, je nachdem, welche Lizenzoption für die Patentrechte gewählt wird – mehr Beteiligung gegen tiefere Lizenzgebühren oder umgekehrt – und ob das Unternehmen an ETH-Inkubatorprogrammen teilnimmt. Die Hochschule bezeichnet die 2 Prozent international wie auch innerhalb des ETH-Bereichs als sehr moderat. Im Standardfall und bei vollständigen Unterlagen kann die Gründung über einen Expresspfad mit drei vordefinierten Lizenzoptionen innert sechs bis acht Wochen erfolgen.
Eine zweite Neuerung folgte im November 2025 mit UPortunity, einem von der UBS ermöglichten Accelerator für ETH-Start-ups, dessen Fellows einen monatlichen Lohn, ein Projektbudget, Büro- und Laborflächen sowie Mentoring durch erfahrene Gründerinnen und Gründer erhalten.
Veröffentlichte Bedingungen und ein fester Zeitplan unterscheiden einen Transferprozess von einer Folge von Einzelverhandlungen.
Fünf Jahrzehnte Transfer haben eine Population kleiner Schweizer Firmen hervorgebracht
Bis Ende 2025 hatten seit 1973 insgesamt 661 Ventures ein ETH-Label erhalten: 639 Spin-offs und 22 Start-ups. Davon sind 484 oder 73 Prozent weiterhin eigenständig und in privater Hand, sechs weitere sind börsenkotiert; 79 oder 12 Prozent wurden übernommen oder fusioniert, 92 oder 14 Prozent haben den Betrieb eingestellt.
Ihre Beständigkeit ist ungewöhnlich. Der Ventures Report 2025 beziffert die Überlebensrate nach fünf Jahren auf 95 Prozent und nach zehn Jahren auf 84 Prozent, gegenüber einem schweizerischen Durchschnitt, den er selbst mit rund 50 Prozent nach fünf und 35 Prozent nach zehn Jahren angibt.
Wichtiger ist ihre Grösse. Von den 490 eigenständigen Ventures beschäftigen 60 Prozent eine bis neun Personen, 31 Prozent zehn bis 49 und 8 Prozent 50 bis 249. Ein Prozent beschäftigt 250 bis 1’999 Personen, 0,2 Prozent noch mehr; das grösste unter ihnen ist die u-blox AG. Neunundneunzig Prozent sind von der Schweiz aus tätig, obwohl die Gründerinnen und Gründer des vergangenen Jahrzehnts aus 49 verschiedenen Ländern stammten.
Was dieser Transferprozess hervorbringt, sind also ganz überwiegend kleine und mittlere Unternehmen mit Sitz in der Schweiz, in derselben Grössenklasse wie die Firmen, die bei ihnen einkaufen könnten. Das ist etwas anderes, als das Wort Deep Tech gemeinhin nahelegt.
Der Weg zu einem Forschungsergebnis führt heute öfter über ein Unternehmen als über eine Lizenz
Die ETH Zürich schloss im Jahr 2025 insgesamt 37 Lizenzen an geistigem Eigentum ab, 29 davon mit eigenen Spin-offs. Dieser Anteil von 78 Prozent steht 52 Prozent im Jahr 2020 gegenüber, als 17 von 33 Lizenzen an Spin-offs gingen. Der Rest entfällt auf andere Industriepartner, und dieser Rest ist schmaler geworden: acht Lizenzen im Jahr 2025 gegenüber siebzehn von insgesamt 49 im Jahr 2024.
Die Folge ist praktischer Natur. Ein ETH-Ergebnis an der Quelle zu lizenzieren, wird zur Ausnahme; häufiger liegt das Ergebnis bereits in einem jungen Unternehmen, das die Lizenz hält. Für einen Hersteller, der einen neuen Sensor, einen Werkstoff, ein Prüfverfahren oder ein Modell sucht, ist die Gegenpartei damit zunehmend eine Firma mit zwei bis zehn Beschäftigten, und das erforderliche Instrument ist ein kaufmännisches – ein Liefervertrag oder eine Vereinbarung über eine gemeinsame Entwicklung – und keine Technologietransferverhandlung mit einer Hochschule.
Die Grössenordnung ist ins Verhältnis zu setzen. Der Swiss Venture Capital Report 2026 zählt für das Jahr 2025 Investitionen von 2,95 Milliarden Franken in Schweizer Start-ups, verteilt auf 354 Runden und 23,9 Prozent mehr als 2024; auf den Kanton Zürich entfielen davon 1’192,5 Millionen Franken. Die von den ETH Ventures aufgenommenen 540 Millionen Franken entsprechen rund 18 Prozent dieses gesamtschweizerischen Volumens, aus einer einzigen Institution – wobei die beiden Zählungen unterschiedliche Abgrenzungen verwenden.
Drei schweizerische und europäische Instrumente machen den ersten Schritt günstig
Ein Unternehmen, das prüfen will, ob sich davon etwas nutzen lässt, muss dafür nicht mit einer Investitionsrechnung beginnen. Drei Instrumente legen die Kosten im Voraus fest.
- Der Innovationsscheck der Innosuisse. Er ist bis zu 15’000 Franken wert und deckt 100 Prozent der Kosten des Forschungspartners für eine Vorstudie: eine Konzeptentwicklung, eine Machbarkeitsfrage, eine Abschätzung des Marktpotenzials. Gesuchstellende müssen ihren Sitz in der Schweiz haben, über eine gültige UID verfügen und weniger als 250 Vollzeitäquivalente beschäftigen, konzernweit gezählt. Gesuche sind jederzeit möglich, die Beurteilung dauert vier bis sechs Wochen, und das Geld geht direkt an den Forschungspartner.
- Innosuisse-Innovationsprojekte mit Umsetzungspartner. Für ein vollständiges Projekt finanziert das Unternehmen 40 bis 60 Prozent der Gesamtkosten selbst und leistet mindestens 5 Prozent der Gesamtprojektkosten als Barbeitrag an die Aufwendungen des Forschungspartners. Das Gesuch ist mindestens sechs Wochen vor einer Entscheidsitzung des Innovationsrats einzureichen, der Entscheid folgt innert sechs bis acht Wochen, und das Projekt muss innerhalb von drei Monaten nach Inkrafttreten der Vereinbarung starten.
- Horizon Europe. Nach dem am 10. November 2025 unterzeichneten EU-Programmabkommen ist die Schweiz rückwirkend per 1. Januar 2025 an Horizon Europe assoziiert, zusammen mit Euratom, dem Programm Digitales Europa und ITER. Schweizer Einrichtungen können ab dem Programmjahr 2025 als Beitragsempfänger teilnehmen, auch in Ausschreibungen des Europäischen Innovationsrats (EIC) und des Europäischen Forschungsrats (ERC); bei den Zielen Cybersicherheit und Halbleiter des Programms Digitales Europa bestehen weiterhin Einschränkungen.
Der Ablauf ist kurz. Eine technische Frage aufschreiben, die das eigene Personal nicht beantworten kann. Vor einer Lieferantensuche die veröffentlichten Venture-Listen konsultieren, jene der ETH wie jene anderer Schweizer Institutionen. Und den eigenen Kostenanteil bestimmen, bevor ein Gesuch gestellt wird, denn beide Innosuisse-Instrumente setzen ihn voraus.
Was der nächste Berichtszyklus zeigen wird
Drei Publikationen werden zeigen, ob 2025 eine Wende oder ein Höhepunkt war. Die ETH Zürich legt ihren Ventures Report jeweils im Februar vor; an der nächsten Ausgabe wird sich ablesen lassen, ob sich die Aufteilung zwischen Spin-offs und Start-ups stabilisiert und ob sich die Zahl der Lizenzen an Industriepartner ausserhalb des Spin-off-Portfolios vom Stand von acht erholt. Der Swiss Venture Capital Report folgt demselben Rhythmus; in seiner Ausgabe 2026 erwarteten 74 Prozent der befragten Investoren für 2026 einen Anstieg des Schweizer Investitionsvolumens um mindestens 25 Prozent – eine Erwartung, die sich in der nächsten Ausgabe überprüfen lässt. Die WIPO veröffentlicht den Global Innovation Index jeweils im September; 2025 lag die Schweiz auf Rang eins wie schon 2024, während sich das weltweite Wachstum der Forschungs- und Entwicklungsausgaben 2024 auf 2,9 Prozent verlangsamte, nach 4,4 Prozent im Jahr zuvor.
Nichts davon ist eine Frage des nationalen Ansehens. Die messbare Frage ist enger: wie zuverlässig aus Forschung ein Unternehmen wird, das eine Rechnung stellen kann. Sechsundvierzig in einem Jahr, 661 über fünf Jahrzehnte und 95 Prozent, die nach fünf Jahren noch am Markt sind, beschreiben eine Infrastruktur und kein Ereignis – und sie steht jedem offen, der auf sie zugeht.
