Die Technologiewelle 2026 ist physisch, nicht digital.
Die Liste 2026 des Forums liegt in Stromnetzen, Werkstoffen, Wasser, Ernährung und Medizin, nicht auf Bildschirmen. Diese Technologien kommen über Bauvorschriften, Netztarife und Beschaffungskalender ins Unternehmen, und das macht ihren Zeitpunkt ungewöhnlich gut vorhersehbar.
Am 23. Juni 2026 haben das Weltwirtschaftsforum und Frontiers am Annual Meeting of the New Champions in Dalian die vierzehnte Ausgabe des Berichts Top 10 Emerging Technologies veröffentlicht. Acht der zehn Technologien auf der Liste wirken unmittelbar auf physische Systeme: auf Stromnetze, die Aufbereitung von Mineralien, Gebäudeoberflächen, die Wasserbehandlung, Fermentationstanks und Kliniken.
Das ist ein Adresswechsel. Fast das ganze vergangene Jahrzehnt lang kamen die Technologien, die die Arbeit in den Unternehmen umgebaut haben, als Software: über eine Lizenz gekauft, in Wochen eingeführt, fast ebenso rasch wieder abgestellt. Der Jahrgang 2026 kommt über Bauvorschriften, Netztarife, Beschaffungsspezifikationen und Materialbudgets. Er bewegt sich langsamer, und seine Termine sind im Voraus publiziert.
Die Liste 2026 liegt in Energie, Werkstoffen, Ernährung und Medizin
Die zehn sind: Everything-to-Grid, die direkte Lithiumgewinnung, Materialien zur passiven Strahlungskühlung, die Zerstörung von PFAS, die Präzisionsfermentation, der Wirkstofftransport mit Exosomen, personalisierte mRNA-Krebsimpfstoffe, die Quantensimulation für die Wirkstoffforschung, Weltmodelle und die gitterbasierte Kryptografie. Nur zwei davon sind Software im gewöhnlichen Sinn, und eine der beiden, die gitterbasierte Kryptografie, baut jene Public-Key-Kryptografie neu auf, die alles Übrige absichert.
Das Vorwort von Frederick Fenter (Frontiers) und Jeremy Jurgens (Forum) benennt nicht ein Thema, sondern drei wiederkehrende Tendenzen. Viele dieser Technologien werden persönlicher und sind auf einen einzelnen Patienten oder einen einzelnen Anwendungsfall zugeschnitten; viele werden verteilter und erzeugen Nahrung, Energie und kritische Werkstoffe näher am Ort des Bedarfs; und viele leisten mehr mit weniger — «cooling without power, protein without herds and chemistry without persistent waste».
Ein methodischer Hinweis gehört dazu. Für 2026 wurde die Expertenbefragung der früheren Ausgaben durch ein KI-gestütztes Nominationsverfahren von Frontiers ersetzt. Es sichtete mehr als 1200 in Frage kommende Technologien aus acht Wissenschaftsfeldern und dreizehn Branchen, bevor eine Auswahlliste von zwanzig an den Beirat ging. Die Liste beschreibt Technologien, die auf einen Entscheidungspunkt zulaufen; eine Marktprognose ist sie nicht.
Physische Technologien kommen über Rechtskalender, nicht über Release Notes
Die Belege, die der Bericht für die kommerzielle Reife anführt, sind weitgehend regulatorischer Natur. Der Energy Code Kaliforniens schreibt für die meisten Gewerbe- und Hochhausbauten reflektierende Dachmaterialien vor, und Chinas Politik der doppelten Kohlenstoffziele hat die Strahlungskühlung in die nationalen Standards für grünes Bauen aufgenommen: Zwei der grössten Baumärkte der Welt haben sie in die Spezifikation geschrieben. Die Europäische Union hat 2020 mit der Neufassung der Trinkwasserrichtlinie rechtlich verbindliche Parameterwerte für PFAS im Trinkwasser beschlossen; anwendbar geworden sind sie am 12. Januar 2026, und die Behörden in den Vereinigten Staaten, Japan und Australien haben sich in dieselbe Richtung bewegt — womit die Zerstörung von PFAS zu einer Beschaffungskategorie wird. Das National Institute of Standards and Technology der Vereinigten Staaten hat seine Standards für Post-Quanten-Verschlüsselung 2024 verabschiedet, und ISO wie ETSI haben sich hinter dieselbe gitterbasierte Grundlage gestellt.
Nichts davon lässt sich abonnieren. Es muss spezifiziert werden: in einer Sanierungsausschreibung, einem Netzvertrag, einer Lieferantenqualifikation, einer Beschaffungsklausel. Das macht die Einführung zu einer Frage des Budgetzyklus, und es macht den Zeitpunkt lesbar, denn Vorschriften, Normen und Fristen werden veröffentlicht, bevor sie gelten.
Eine der zehn steht in der Schweiz seit dem 1. Januar 2026 im Gesetz
Everything-to-Grid — Gebäude, Fahrzeuge und Fabriken, die als Speicher und Stabilisierungsanlagen wirken statt als passive Verbraucher — ist in der Schweiz bereits geltendes Recht.
Artikel 17c des Stromversorgungsgesetzes, seit dem 1. Januar 2026 in Kraft, weist die Flexibilität, die sich dank der Steuerbarkeit von Bezug, Speicherung und Einspeisung nutzen lässt, den betroffenen Endverbrauchern, Erzeugern und Speicherbetreibern zu; wer sie nutzen will, erschliesst sich die Nutzung durch Vertrag. Die Verteilnetzbetreiber dürfen sie in ihrem eigenen Netzgebiet netzdienlich nutzen und schliessen dazu mit den Inhabern diskriminierungsfreie Verträge ab, Vergütung eingeschlossen.
Die Ausführungsverordnung setzt die Bedingungen. Artikel 19b verlangt, dass ein Flexibilitätsvertrag das Steuer- und Regelsystem, den Umfang der geplanten Nutzung, die Vergütung, die Vertragslaufzeit und die Kündigungsmodalitäten regelt, und verpflichtet jeden Verteilnetzbetreiber, seine Bedingungen und Vergütungsansätze jährlich zu veröffentlichen. Artikel 19c umschreibt die garantierten Nutzungen, die nicht vergütet werden und ohne Zustimmung des Inhabers ausgeübt werden dürfen: die Abregelung von höchstens 3 Prozent der am Anschlusspunkt jährlich erzeugten Energie und der Eingriff bei einer unmittelbaren erheblichen Gefährdung des sicheren Netzbetriebs.
Dasselbe Datum hat einen zweiten Weg geöffnet. Nach den Artikeln 17d und 17e können Endverbraucher, Erzeuger von Elektrizität aus erneuerbaren Energien und Speicherbetreiber die selbst erzeugte Elektrizität untereinander absetzen, sofern sie im gleichen Netzgebiet, auf der gleichen Netzebene und örtlich nahe beieinander angeschlossen und alle mit einem intelligenten Messsystem ausgestattet sind; die zulässige Ausdehnung einer lokalen Elektrizitätsgemeinschaft umfasst höchstens das Gebiet einer Gemeinde. Artikel 19h der Verordnung setzt den Abschlag auf dem Netznutzungstarif für diese Elektrizität auf 40 Prozent; er sinkt auf 20 Prozent, wenn die Netztopologie eine Transformation der Spannung erfordert.
Die ElCom hat die Tarife 2026 am 9. September 2025 veröffentlicht: Ein Medianhaushalt in der Grundversorgung zahlt 27.7 Rappen je Kilowattstunde, rund 4 Prozent weniger als 2025 — ein Rückgang um 1.3 Rappen, den die Regulierungsbehörde auf tiefere Energiepreise zurückführt. Gesunken ist die Energiekomponente; diese Regeln setzen beim Netzanteil an.
Die Rechnung entsteht im Materialbudget, nicht in der Lizenzgebühr
Anstriche zur Strahlungskühlung kosten rund sechs Dollar je Quadratmeter, und 3M und SkyCool berichten von Energieeinsparungen von 15 bis 20 Prozent im Lebensmittel- und Detailhandel; der Bericht hält fest, dass die Innentemperaturen um 5 bis 10 °C sinken können und die Einsparungen in heissen, trockenen Klimazonen bis zu 42 Prozent erreichen. Im Vereinigten Königreich lässt eine Beschichtung von AssetCool bestehende Stromleitungen rund 30 Prozent mehr Elektrizität übertragen.
Die Zerstörung von PFAS wird an einer vertrauten Grösse gemessen: Kontaminierte Schäume, Schlämme und Harze in die Verbrennung zu geben kostet 1000 bis 5000 Dollar je Tonne, gegenüber rund 50 Dollar für gewöhnlichen Siedlungsabfall, während einzelne Verfahren bei konzentrierten Stoffströmen inzwischen an einen Zerstörungsgrad von 99 Prozent heranreichen.
Die Präzisionsfermentation hat das Regal erreicht: Nestlé hat 2024 ein durch Fermentation gewonnenes Molkenproteinisolat eingeführt, und Fonterra hat sich an Vivici beteiligt, das das wichtigste Molkenprotein mit 87 Prozent weniger Wasser herstellt als die aus Kuhmilch gewonnene Entsprechung. Für Schweizer Lebensmittelunternehmen gehen die Regelungen hier auseinander. Neuartige Lebensmittel bewilligt in der Schweiz das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen; Erzeugnisse aus gentechnisch veränderten Organismen gelten hier jedoch als gentechnisch veränderte Lebensmittel, während die Europäische Union sie unter ihrem Regime für neuartige Lebensmittel behandelt. Eine in der EU freigegebene Zutat gelangt in der Schweiz nicht über dasselbe Dossier auf den Markt.
Fünf dieser Entscheide lassen sich in der nächsten Budgetrunde fällen
- Beim Verteilnetzbetreiber die publizierten Bedingungen für Flexibilitätsverträge und die Vergütungsansätze verlangen; die Verordnung verpflichtet ihn zur jährlichen Veröffentlichung. Jeder Standort mit Batterien, Wärmepumpen, Kühlräumen oder einer Ladeflotte verfügt über Flexibilität; das Gesetz weist sie dem Inhaber zu, nicht dem Elektrizitätswerk.
- Den Standort an den Kriterien der lokalen Elektrizitätsgemeinschaft prüfen — gleiches Netzgebiet, gleiche Netzebene, eine Gemeinde, intelligente Messsysteme — und den Abschlag von 40 Prozent auf dem Netznutzungstarif durchrechnen, bevor man den Eigenverbrauch hinter einem einzigen Zähler als einzige Möglichkeit voraussetzt.
- Die Kühlung bei der nächsten Dach- oder Fassadenausschreibung in die Gebäudehülle verlegen, zusammen mit dem Entscheid über die Auslegung der Klima- und Kältetechnik. Eine Beschichtung ist einmal aufgewendetes Kapital; installierte Kälteleistung kehrt jeden Sommer als Betriebskosten wieder.
- Mit der kryptografischen Bestandesaufnahme beginnen. Der im Juni 2025 unter den EU-Mitgliedstaaten vereinbarte Fahrplan setzt erste nationale Übergangspläne sowie Pilotprojekte für Anwendungsfälle mit hohem und mittlerem Risiko auf Ende 2026 an. Die Schweiz kennt keinen eigenen Rahmen für quantensichere Kryptografie; für den Finanzsektor hält der Swiss Financial Innovation Desk des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen fest, dass die FINMA von ihren Beaufsichtigten einen proaktiven Umgang mit dem technologischen Risiko erwartet, und legt einen Plan in sieben Schritten vor, der mit Governance und einem Inventar der betroffenen Komponenten beginnt.
- Einsatzstoffe und Abfallströme auf eine PFAS-Belastung durchsehen: Die Trinkwasserwerte der EU sind seit dem 12. Januar 2026 anwendbar, und das BLV prüft eine Anpassung der schweizerischen Höchstwerte.
Die Termine, die in einen Planungskalender gehören, stehen bereits fest
Die europäischen Post-Quanten-Meilensteine fallen auf den 31. Dezember 2026, 2030 und 2035. In der Schweiz informieren die Verteilnetzbetreiber die ElCom jährlich über die Eingriffe, die sie bei einer unmittelbaren Gefährdung des sicheren Netzbetriebs vornehmen, und der Bundesrat erstattet jährlich Bericht darüber, ob der Zugriff der Betreiber auf bestehende Flexibilität andere Nutzungen verdrängt — die öffentlich zugängliche Berichterstattung also, die vor der Unterzeichnung eines langen Flexibilitätsvertrags zu konsultieren ist. Das Forum publiziert die Liste jährlich; die nächste Ausgabe fällt damit in die Mitte des Jahres 2027.
Die Frage, die dieser Bericht einer Geschäftsleitung stellt, ist eng. Welche der drei grössten wiederkehrenden Kostenpositionen des Unternehmens — Energie, Material, Abfall — hat heute eine technologische Antwort mit einem publizierten Datum, und wer im Haus verantwortet dieses Datum?
